3 Gründe für… | Rezension: Todesmärchen

Gestern Abend ist mir beinahe der Geduldsfaden gerissen, denn ein besonders unfreundlicher und obendrein kiffender BKA-Profiler saß mir im Nacken. Heute habe ich darum endlich die Rezension zu Todesmärchen im Gepäck – sowie drei Gründe, wieso ihr die Thriller unbedingt auschecken müsst!

Todesmärchen

Drei Gründe für Todesfrist, Todesurteil und Todesmärchen

  1. Maarten S. Sneijder

Seit mir der sagenumwobene Maarten S. (!) Sneijder im März begegnet ist, lässt diese Figur mich nicht mehr los. Bei der Leipziger Buchmesse erzählte ich jedem – ja, sogar Fremden! – von dem Ermittlerduo Sneijder und Nemez. Ich befand mich in euphorischer Ekstase, denn viel zu selten stolpere ich über Reihen im Genre Thriller, die mich über die letzte Seite hinaus weiterhin fesseln.

Zu viele Charaktere, zu wenige sympathische Charaktere oder unausgesprochene Gefühle zwischen gemeinsam ermittelnden Charakteren: ich bin schnell genervt.

Sneijder ist komplex. Von einer Seite auf die nächste war er einfach da und alles was ihn ankündigte, war das plötzliche Fehlen von Zimmerpflanzen und der Geruch von Vanilletee! Er ist Profiler beim BKA mit einer unangefochtenen Aufklärungsrate und besitzt ganz eigene Methoden, sich in die Täter hineinzuversetzen. Er wird von Cluster-Kopfschmerzen geplagt und kifft quasi ständig. Ach, und er klaut Bücher – aber auch diesen Umstand versteht man irgendwann. Kurz: ICH LIEBE IHN.

In jedem Buch erfährt man mehr über Sneijder und sein Verhalten erschließt sich dem Leser immer weiter. Eh man sich versieht, hat dieser unfreundliche Typ im Designeranzug das Herz im Sturm erobert!

Wenn ihr euch ein Bild machen wollt, schaut euch dieses Interview mit ihm an.

  1. Crime made in Germany

Ich ziehe meinen Hut vor Grubers Wissen und seinen Recherchefähigkeiten – ich habe durch die Lektüre schon so viel gelernt! Nein, nicht wie ich nach Kinderreimen töten kann, sondern wie Kriminalität in Deutschland behandelt wird und welche Ebene wann ermittelt.

Es gibt etwa den Kriminaldauerdienst, dem Sabine Nemez eingangs in München angehört, und die Kriminalpolizei. Auf Landesebene kommt das Landeskriminalamt hinzu. Über allen Landeskriminalämtern steht das Bundeskriminalamt. Dazwischen gibt es mitunter Gezanke um Zuständigkeiten (frei zitiert nach Walther Pulaski aus Grubers „Rache“-Reihe).

Und über wirklich allem steht nur Sneijder! Selbst die Gesetzmäßigkeiten über die deutschen Grenzen hinaus sprengt er nur zu gerne. Wusstet ihr, dass man auch die Dienstwaffe mit ins Flugzeug nehmen kann, wenn man sie vorher beim Zoll anmeldet? Vielleicht kann das aber auch nur Sneijder, who knows!

Die Geschichten sind durchdacht, komplex, fesselnd…

Summa Summarum: ich hatte ja keine Ahnung, dass mich Kriminalfälle im deutschen Raum so catchen könnten und kannte daher die Organisation von Polizei und Justiz in Florida (dank Jilliane Hoffman) um einiges besser, doch Gruber hat mich mit seinen Fällen positiv überrascht.

Der Faktor Nähe (zur eigenen geografischen Lebenswelt) entfaltet hier wohl auch seine Kraft, schließlich geschehen die Morde quasi ums nächste Eck. Aber auch, dass Nemez und Sneijder Fälle bearbeiten, die über Deutschland hinausgehen und sie in Nachbarländer führen, hat mich überzeugt, denn das bringt frischen Wind in die Geschichten.

Strukturell sind die Geschichten in verschiedene Teile untergliedert, einzelne Kapitel beschreiben die Vorgänge an einzelnen Tagen, es wird mit Zeitsprüngen gearbeitet und oft folgt man nicht nur dem Duo Nemez und Sneijder sondern auch anderen sympathischen Figuren.

Zu erleben, wie sich die vielfältigen Geschehnisse verbinden und sich die Zusammenhänge ergeben, ist obendrein noch total spannend.

  1. Blutig, brutal und Abgründe en masse

Keines der Bücher ist geeignet für schwache Nerven, denn die Fälle sind makaber und die Mörder furchterregend. Und wieder: es ist alles so komplex! Beim zweiten Teil schwirrte mir richtiggehend der Kopf, als sich die Dinge überschlugen und ich musste mich sehr konzentrieren, um überhaupt noch mitzukommen.

Die Cover der ersten beiden Teile machen jedenfalls deutlich, in welche Richtung diese Thriller gehen. Die Morde sind allesamt grausam und brutal. Gleichzeitig wird jedoch auch für viele Entlastungsmomente gesorgt, die ihre Wirkung durch die Reisen samt spritziger Dialoge und Gezanke zwischen Sneijder und Nemez nicht verfehlen. Trotzdem sollte man vor Kauf und Lektüre in sich gehen und reflektieren, wie gut man explizite Beschreibungen in Thrillern wegsteckt.

Nicht nur die Mordszenen sind zuweilen übel, das wahrlich Schlimme sind die Mörder, ihre Motive und Antriebe. Dafür nahm Gruber zum Beispiel exakt die Kinderreime und Märchen zuhilfe, die mir schon als Kind das Fürchten lehrten – glaubt mir, das macht es im Alter nicht unbedingt besser. Aber trotzdem würde ich die Reihe aus genau diesen makabren Gründen jedem Thriller-Fan empfehlen!

Rezension: Todesmärchen

Todesmärchen

Ein paar Worte zum Inhalt

Eine neue Mordserie hält Sabine Nemez und Maarten S. Sneijder in Atem und führt sie nicht nur durch ganz Deutschland sondern auch in die Schweiz, nach Österreich und die Niederlande. Der Mörder scheint ihnen dabei stets einen Schritt voraus zu sein.

Gleichzeitig trifft die junge Psychologin Hannah in Steinfels, einem Gefängnis für abnorme Rechtsbrecher, ein und möchte ihre Vergangenheit aufarbeiten.

Eine Blutspur durch Europa

Es ist nicht nur der persönlichste sondern auch spannendste Fall von dem ungleichen Ermittler-Duo Sneijder und Nemez. Beide sind wieder einmal mit ihren eigenen Problemen beschäftigt, als verschiedene Morde sie zusammenführen. Erneut findet sich der Leser mit Nemez in der gleichen Situation wieder wie im ersten Teil – sie hat gar keine Wahl, wenn Sneijder sagt, sie gehört zu seinem 2-Mann-Team!

Ich habe Todesmärchen von der ersten bis zur letzten Seite verschlungen. Den beiden Charakteren zu folgen und ihre Dialoge waren mir wieder ein Fest. Selten haben mich Thriller so zum Lachen gebracht! Gleichzeitig mag ich, wie sich die Beziehung von beiden entwickelt, denn Nemez gehört einfach zu Sneijders engsten Bezugspersonen. Trotz der Stänkereien hat sich eine starke Freundschaft zwischen ihnen entwickelt und ich bin ein großer Fan davon!

In meinen drei Gründen ist Nemez zwar zu kurz gekommen, aber ich möchte an dieser Stelle betonen, wie sympathisch sie ist! Ihre Entwicklung ist spürbar und obwohl zwischen den einzelnen Teilen stets viel Zeit vergeht, bekommt man doch immer schnell Zugang zu ihr als Person. Ich bin jedenfalls total gespannt, was Gruber sich für ihren weiteren Werdegang überlegt hat.

Am Ende hat Todesmärchen es zweimal geschafft, dass mir die Tränen kamen – so nah gingen mir plötzlich Worte und Geschehnisse. Kennt ihr das, wenn man sich für einen fiktionalen Charakter nicht mehr wünscht als Frieden und ein Happy End? Oder zumindest weniger Cluster-Kopfschmerzen. Ach Sneijder, mein Sorgenkind!

Die zweite große Handlung im Buch entfaltet sich im Gefängnis für abnorme Rechtsbrecher: Steinfels. Es wird psychologisch und gruselig, sodass ich mich schwer tat, diese Kapitel abends zu lesen, denn es geht zu großen Teilen um die Verbrecher. Die vier, die man näher kennenlernt, haben mir wirklich ausgereicht. Alles in allem fand ich den psychologischen Aspekt aber sehr spannend. Hannah war jedoch die erste von Grubers Nebenfiguren, mit der ich nicht wirklich warm wurde, weil sie ständig auf Risiko gepolt war. Dennoch haben mich ihr Schicksal und ihre Beweggründe sehr erschüttert.

Aber auch die Geschehnisse in der Vergangenheit spielen eine tragende Rolle im Buch, so wird regelmäßig fünf Jahre zurück gesprungen und Sneijder bei seinem bis dato schwierigsten Fall begleitet. Die Machart und der Stil von Andreas Gruber haben mich wieder direkt überzeugt!

Vielleicht an dieser Stelle noch ein Punkt zur Vorhersehbarkeit, denn ich rate gerne beim Lesen wild, wie sich eine Geschichte zusammensetzt und vergleiche meine Vermutung dann mit der Auflösung: Todesmärchen konnte mich eiskalt überraschen!

Einen kleinen Kritikpunkt habe ich allerdings doch – wo war Sneijders Hund? Ich habe ihn in Aktion vermisst und hoffe, im nächsten Teil sehen wir wieder mehr von ihm!

Mein Fazit

Todesmärchen lässt mich vollkommen baff und mit dem Wunsch nach mehr zurück. Andreas Gruber hat mit seiner Todes-Reihe meine persönliche Thriller-Hitliste ziemlich durcheinandergewirbelt. Ich bin eventuell nicht zurechnungsfähig. Doch diese Bücher mit ihren komplexen Fällen, Zeitachsen und Charakteren haben es mir einfach angetan. Ganz große Empfehlung!

Und ja, ich würde dazu raten, ganz am Anfang zu beginnen! Es ist einfach ein großes Fest zu verfolgen, wie sich  Sabine Nemez und Maarten S. Sneijder kennenlernen und entwickeln.

Ein positiver Ausblick zum Schluss – Teil 4 der Reihe Todesreigen erscheint am 21.08.2017. Ich kann es kaum erwarten! Und eine weitere Meinung zum Buch gibt es hier bei I AM JANE für euch.

 

Todesmärchen von Andreas Gruber | Teil 3 der Todes-Reihe | Verlag: Goldmann | Seitenanzahl: 544 | ISBN: 978-3442483129| Preis TB: 9,99€

 

Wie findet ihr die Reihe? Feiert ihr Sneijder auch so sehr?

 

 

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4 Comments

  1. 27. April 2017 / 13:39

    Super tolle Rezension, jetzt hast du mich wirklich kribbelig auf die Bücher gemacht! Kommt gleich mal auf meine Wunschliste!

    • 27. April 2017 / 14:45

      Uuuuh, da freue ich mich, danke! 🙂 Hab schon so viele infiziert und bibbere dann jedes Mal, aber hoffe wirklich, es wird dir gefallen!

      Liebe Grüße
      Laura

  2. 14. September 2017 / 11:57

    Huhu,

    ich habe gerade Todesurteil beendet (keine Ahnung, warum ich das Buch solange hab liegen lassen) und freue mich riesig auf Todesmärchen. 🙂 Toller Beitrag! Die Thriller sind wirklich sehr gut und komplex ausgearbeitet.

    Liebe Grüße,
    Jenny

    • 15. September 2017 / 11:38

      Vielen Dank! Oh ja die Reihe wird immer besser – viel Spaß bei Teil 3!

      Liebe Grüße
      Laura

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