Buchvorstellung: Schlagfertigkeitsqueen von Nicole Staudinger

Jeder kennt es – manchmal ist man einfach sprachlos. Der Spruch, den man gedrückt bekommen hat, beschäftigt einen dann den ganzen Tag. Zackige Antworten fallen einem erst ein, wenn es schon zu spät ist. Hier die grandiose Neuigkeit: die Menschen kann man vielleicht nicht ändern, aber Schlagfertigkeit lässt sich erlernen. Viele denken nämlich zu Unrecht, dass bei ihnen Hopfen und Malz verloren sei und das mit der Schlagfertigkeit in diesem Leben nichts mehr werden kann. Dabei bedarf es nur der Verinnerlichung einiger Techniken und etwas Übung.

Als ich im Buchladen die Worte „In jeder Situation wortgewandt und majestätisch regieren“ las, war die Sache für mich klar: ich brauchte das dort ausliegende und obendrein pinke Buch sofort! Natürlich stand da eigentlich reagieren im Titel, aber der Kopf liest, was er will… Summa Summarum: Die Lektüre hat mir ein paar schöne Lesestunden mit vielen Lachern und hilfreichen Tipps beschert – deswegen muss ich euch das Buch heute einfach vorstellen.


Ein paar Worte zum Inhalt

Schlagfertig werden – jetzt und sofort, bitte! Da drückt bei vielen der Schuh und die Fähigkeit ist noch ausbaubar, wie geht man das also am besten an? Tipps und Techniken für ein schlagfertiges und selbstbewusstes Auftreten gibt die zertifizierten Trainerin Nicole Staudinger, die übrigens schon schlagfertig zur Welt gekommen ist. Dabei analysiert sie verschiedene Kommunikationssituationen und zeigt Stolperfallen im eigenen Verhalten auf.

Von Schuhen, die man sich nicht mehr anziehen sollte

Ein Punkt, den man dem Buch definitiv anrechnen muss, ist der Witz, mit dem Nicole Staudinger es geschrieben hat. Auf erfrischende Weise skizziert sie verschiedene Situationen, die klischeebeladener nicht sein könnten – wozu sie ausdrücklich steht, aber an die man eben dadurch schnell Anschluss knüpft. Beim Lesen musste ich nicht nur an mich selbst denken und habe Parallelen zu meinem Leben gezogen, nein, ich musste an die eine Freundin mit ihrer cholerischen Chefin denken oder an die andere Freundin mit Kind. Beide kriegen fast täglich so manchen Spruch gedrückt. Und wir haben eins gemeinsam: wir rudern alle wie wild, aber surfen nie auf der Welle der Schlagfertigkeit. Denn um die zu erwischen, bleiben einem auch immer nur drei Sekunden Zeit! Erfolgt in diesen drei Sekunden keine Reaktion, ist die Chance verstrichen.

Der Ratgeber ist in drei große Baustellen gegliedert und erinnert dabei an die morgendliche Totalsanierung, denn man beginnt mit der Grundierung. In neun Lektionen wird anschaulich das Grundwissen vermittelt. Natürlich hängt eine Menge mit dem eigenen Selbstbild zusammen – ein Mensch, der nur piepst, wird nicht ernst genommen werden. Theoretisch wissen wir auch alle, wie wichtig die eigene Körpersprache ist – nur praktisch hapert es leider immer etwas. Auch dafür hat Staudinger das geeignete Gedankenexperiment, denn mit dem eigenen Schutzschild lebt es sich gleich viel leichter.

Besonders interessant fand ich auch das Kapitel „Warum sind wir so, wie wir sind“, das auf einigen Seiten die Stadien der Emanzipation beleuchtet und plötzlich fällt auf: Mensch, so lange sind wir ja noch gar nicht gleichberechtigt (wobei man aus dem Alltag ohnehin zahlreiche Situationen kennt, in denen man das bezweifeln muss)! Hinzukommt, dass Frauen sich gerne gegenseitig ein Ei legen und Spitzen fallen lassen, anstelle einfach mal auf ihr Leben zu chillen und zusammenzuhalten. Was das angeht, kann Frau übrigens auch ab und zu auf den Mann schauen und sich dessen Gelassenheit abgucken. Denn wo Frauen (leider) lange an Dingen zu knabbern haben, nehmen Männer manche Situationen eben einfach als verloren hin und sehen das Leben eher als Spiel – besonders was Schlagabtäusche angeht.

Im zweiten Teil des Buches werden dann die einzelnen Techniken näher beleuchtet, die jede erlernen kann – es folgt also der Glitzer! Auch in diesem Teil fasst man sich mehr als einmal an die eigene Nase und kann das eigene Verhalten unter die Lupe nehmen. Die Seiten fliegen dabei nur so dahin. Der dritte Teil widmet sich dann dem Finish und thematisiert etwa, warum wir Frauen das Scheitern so lange mit uns herumschleppen, anstelle es einfach abzuschütteln.

Ganz zum Schluss bietet das Buch zudem einen Überblick über das Gelernte. Und dann heißt es: üben üben üben und raus in die Welt! Im Prinzip kann jeder schlagfertiger werden und ich fand es sehr hilfreich, mich mit den einzelnen Methoden auseinanderzusetzen. Das Wissen, was man selbst tun kann, während man eben akzeptieren muss, dass sich zum Beispiel der Chef oder das Schwiegermonster oder die Nachbarin nun mal nicht ändern lassen, ist meiner Meinung nach schon viel wert.

Jedes Kapitel beginnt übrigens mit einem treffenden Zitat, das man sich gleich mal merken und wenn passend abfeuern kann, wie zum Beispiel:

„Viele verlieren ihren Verstand deshalb nicht, weil sie keinen haben.“
Arthur Schopenhauer

Trotzdem muss ich sagen, dass man nicht Instant-Schlagfertig wird, nur weil man das Buch liest, denn wenn einem jahrelang immer nur regelmäßig die Spucke weggeblieben ist, der muss nicht auf schnelle Heilung hoffen. Das Buch zur Hand zu nehmen, ist gewiss schon ein Schritt in die richtige Richtung, denn man beschäftigt sich mit dem Problem und hat nebenbei noch eine gute Zeit beim Lesen. Für alles andere gilt: regelmäßig wiederholen, ruhig mal nachlesen (wenn man kein fotografisches Gedächtnis hat) und wirklich üben, sich trauen, einfach mal raus mit den Gedanken und wenn es nur eine Zwei-Silben-Antwort oder einfach NEIN ist.

Mein Fazit

Schlagfertigkeitsqueen ist ein besonders witziges, hilfreiches Leseerlebnis. Für die Autorin ist Schlagfertigkeit eine Lebenseinstellung, die auch eine gewisse Gelassenheit mit einschließt – wer da noch Luft nach oben hat, etwas ändern möchte und gerne das eigene Verhalten reflektiert, wird bei der Lektüre sehr viel Spaß haben. Denn Schlagfertigkeit hat nur bedingt etwas mit rhetorischen Fähigkeiten zu tun!

eurelaura

3 Comments

  1. 27. Dezember 2016 / 10:04

    Wunderbare Rezension zum Buch „Schlagfertigkeitsqueen“. Hast einen ganz tollen Schreibstil! Liebe Grüße, Julia.

  2. 27. Dezember 2016 / 10:44

    Eine sehr interessante Rezension! Sicherlich ein hilfreiches Buch für so manche Lebenssituationen, wenn es einen stärkt unterstütze ich solche Bücher immer!

  3. 28. Dezember 2016 / 14:39

    Tolle Rezension, ich bin auf jeden Fall neugierig geworden. 🙂

    LG Nicci

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