Euer Serien-Sommer

Endlich hat das Warten ein Ende. Denn eine meiner aktuellen Serien-Favoriten hat mit dem Beginn des Junis endlich seine Frühlingspause beendet und startet wieder mit neuen Episoden. Auf die anderen muss ich leider noch ein Weilchen warten. Ich möchte euch dennoch drei meiner Lieblinge vorstellen, die ihr, einmal gesehen, garantiert durchsuchten werdet. Es ist auch für alle Geschmäcker was dabei: was zum Gruseln, was für das Prequel-Herz und etwas für die unter euch, die es etwas spezieller und verschrobener lieben.

Beginnen wir mit dem Prequel des Jahres: 

bcss  Meine Serienzeit mit „Breaking Bad“ habe ich als emotionale Achterbahn hinter mich gebracht. An dieser Stelle muss ich nicht die Virtuosität eines Bryan Cranston als Walter White oder die Genialität des Handlungsverlaufes nach Produzent Vince Gilligan in den Himmel loben. Das haben vor mir schon genug andere getan. Dass “Breaking Bad“ eine DER Serien-Offenbarungen ist, ist also nicht neu und an der Stelle auch irrelevant (Wenn ihr Breaking Bad noch nicht gesehen habt, könnt ihr den Teil hier eh überspringen weil [SPOILER] und euch schon mal bei Netflix anmelden). Wichtiger ist es, das Herausstechen eines ebenso besonderen Charakters aus dem BB-Universum anzusprechen, der Fans schon bei seinem ersten Auftritt mit Komik und Charme in den Bann zog. Die Rede ist vom zwielichtigen Anwalt Saul Goodman alias Bob Odenkirk.

Er hat sich nicht nur durch seine extravagante Auswahl an Anzügen á la Thomas Gottschalk und seiner etwas zu lang geratenen Ponyfrisur einen Platz in den Herzen der Zuschauer  verschafft. Der Anwalt der Kriminellen beschreitet während Walters Reise durch den Sumpf der miesen Geschäfte einen mindestens genauso beschwerlichen und gefährlichen Weg. All das dank seines eifrigen Methkochs, der ihn immer wieder um außergewöhnliche und nicht ganz so legale Gefallen bittet. Am Ende der Serie steht Saul am Rande seiner mühevoll erbauten Existenz. Und da kommen wir zum Prequel „Better Call Saul“, das seit Februar 2015 in Amerika ausgestrahlt wird. Ja, genau, Prequel. Denn „Better Call Saul“ zeigt den Anwalt, wie er ganz am Anfang seiner Karriere steht. Und ich kann euch sagen: Jimmy, wie sein echter Name lautet, hat es auch hier verdammt nochmal nicht leicht.

Zugegeben, irgendwie schafft er es auch nicht den leichtesten und besten Weg für sich zu finden. Zumal er sich immer wieder gern durch sein Bedürfnis nach Erfolg und Macht durch die falschen Leute und Entscheidungen auf den Weg der Unvernunft treiben lässt. Details zur Story einmal großzügig übergangen. Denn was „Better Call Saul“ so anziehend macht, ist eben dieser eine so komisch verlotterte Charakter, der ein ungewöhnlich großes Herz und einen starken Willen mitbringt. Jimmy ist nicht skrupellos oder kriminell, na gut, schon ein bisschen. Aber im Großen und Ganzen will er nur das eine, was eigentlich ein jeder von uns will: Gut sein in dem, was er macht. Und diese beschwerliche Straße mit all ihren Ampeln, Umleitungen und Hügeln, die Saul Goodman beschreitet, hat auch für den Zuschauer Höhen und Tiefen. Hier kann man schmunzeln, lachen, sich ärgern, staunen und vielleicht auch etwas in Sachen Selbstmanagement lernen.

Ich will nicht behaupten, dass „Better Call Saul“ in seiner Gänze an „Breaking Bad“ heran käme. Ich nenne es mal eine Light-Version dessen, die den Versuch startet, sich in Stil und Stimmung vom großen Bruder abzuheben. Zugegeben, auch ich hatte Startschwierigkeiten (vor allem nachdem man eben diese Tortur der Emotionen bei „Breaking Bad“ durchgemacht hat). Aber in diesem Prequel taucht man wieder wie neu geboren in die kuriose Welt des Anwalts ein, freut sich, wenn man alte Bekannte wieder trifft und fragt sich natürlich auch die ganze Zeit: Werden wir wieder auf Walter treffen? Und werden wir erfahren, wie es Saul nach dem Ende von „Breaking Bad“ ergangen ist? Es muss ja nicht immer das Rad neu erfunden werden, manchmal reicht es auch, wenn man es aus einer anderen Perspektive betrachtet.

„Better Call Saul“ hat bisher eine Staffel, die ihr auf Netflix oder dem Streaming-Dienst eurer Wahl sehen könnt. Staffel 2, habe ich soeben mit großer Trauer festgestellt, erreicht uns erst im Januar/Februar 2016! Also nutzt die Zeit und vergnügt euch mit Staffel 1.
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tds

Ich muss sagen, als sich mir die Option eröffnete, das so hoch gelobte neue Serien-Highlight mit Matthew McConaughey und Woody Harrelson zu sehen, war ich äußerst skeptisch. Denn es handelt sich hier um das Genre Thriller. Meine erste Assoziation waren die unzähligen Polizeiruf-Serien auf ARD oder ZDF, in denen zwei bayrische Kommissare in der tiefsten Dorfeinöde auf Kuhfang gehen. Nope, absolut nicht mein Fall. Außerdem brauche ich immer Abwechslung. Diese Dauerangespanntheit tut meinem Herzen nicht gut. Ich will auch mal lachen und den Puls runterfahren lassen. Aber „True Detective“ hat mich überraschender Weise vom Gegenteil überzeugt. Okay, die Serie spielt auch in einer hinterwäldlerischen Einöde, nämlich Texas. Allerdings sorgt diese warme, ländlich einsame Atmosphäre gleich von Anfang an für ein angenehmes Gänsehautfeeling á la Texas Chainsaw Massacre, nur etwas entspannter.

Gleich in Folge Eins werden wir mit einem sehr außergewöhnlichen Mordfall bekannt gemacht, den die beiden Detectives „Rust“ Cohle (McConaughey) und Martin Hart (Harrelson) aufdecken sollen. Die erwartete lineare Handlungsstruktur wird dabei gleich mit einer Blende in die Zukunft durchbrochen, dargestellt durch Einzelverhöre der beiden Detectives 20 Jahre später. Man braucht erst einmal eine Weile um das Früher und Heute sinnvoll zu verknüpfen, was allerdings genau dahinter steckt, wird dem Zuschauer erst viel später offenbart. Erst muss man mit den beiden Protagonisten, die sich nicht immer ganz grün sind, in eine sehr düstere und schonungslose Welt der Gewalt und okkulten Riten eintauchen. Ich sage euch, das ist kein Vergnügen, aber sauspannend. Leider kann ich meinen zweiten Einwand gegen diese Serie damit auch nicht vollständig revidieren, denn alle 8 Folgen hindurch waren meine Nerven bis aufs Äußerste gespannt. Ich konnte nicht wieder gerade denken, bis ich nicht die komplette Staffel und damit eine grandiose Auflösung hinter mich gebracht hatte. Ab und zu konnte sich ein kleines Schmunzeln auf dem Gesicht verirren, denn der trockene Humor von Rust und Martin sorgt zwischendurch, wenn auch eher selten, für eine kleine emotionale Auflockerung. Das spricht an dieser Stelle aber natürlich ganz klar für „True Detective“. An dieser Stelle würde ich auch wärmstens empfehlen, sich nicht allein vor den TV zu setzen – vor allem nicht nachts.

„True Detective“ ist vom Aufbau her wie „American Horrorstory“, das heißt in jeder Staffel steht ein komplett neuer Handlungsort, neue Schauspieler und natürlich ein neuer Fall im Mittelpunkt. Das heißt für mich Byebye Matthew und Woody und Hallo Colin und Vince. Denn in Staffel zwei, die ab 24. September 2015 zu sehen ist, übernehmen Colin Farrell und Vince Vaughn das Steuer.

Aller guten Dinge sind drei: 

oitnbs

Als ich diese Serie begonnen habe, wusste ich nicht, auf was ich mich einlasse. Ernsthaft, ich hatte keine Ahnung um was es geht, ich hab nur den Titel gelesen und irgendwas mit Knast. Dementsprechend unvoreingenommen und erwartungslos habe ich mir die ersten Folgen angesehen. Und es hatte keine drei ohrwurmverdächtigen Intros gedauert und ich war Fan. Das liegt daran, dass diese Serie wiederum genau das tut, was nur wenige können: Eine gesunde Mischung aus Humor, Schicksal, Ernsthaftigkeit und Drama mit einer fetten Brise schriller Schrägheit servieren. Ihr wollt lachen? Ihr wollt schockiert sein? Ihr wollt Spannung? Ihr wollt Bitchfights? Bitte!

Die Mädels aus „Orange is the New Black“ bieten euch definitiv nicht nur einen unterhaltsamen Abend. Aber zunächst etwas zum Inhalt, dass ihr nicht ganz so unwissend wie ich an die Serie herangeht. Es beginnt damit, dass sich die Hauptfigur Piper Chapman einer Gerichtsverhandlung unterziehen muss, wegen einer Straftat, die sie in ihrer wilden Zeit angestiftet von ihrer damaligen Liebhaberin (ja, hier erwartet euch auch einiges aus dem Bereich Homo- und Transsexualität) begangen hat. Leider hat Piper nur wenig Glück und muss sich wohl oder übel einer zweijährigen Haftstrafe im Frauengefängnis stellen. Im Mittelpunkt steht dabei, was „Orange is the New Black“ ebenfalls so besonders macht, und das ist nicht nur das soziale Leben im kulturellen Schmelztiegel hinter Gittern. Auch das Zusammenspiel sehr vieler liebevoll ausgearbeiteter Charaktere sorgt für interessante Konstellationen und Handlungsstränge.

Piper, das White Girl schlechthin, trifft auf rassige Latinas, temperamentvolle Afromerikanerinnen (ist das politisch korrekt?), raue Russen und verschlagene Ghetto-Girls. Wir verfolgen Pipers Weg, wie sie sich im Banden-Chaos etablieren und mit menschenunwürdigen Lebenszuständen arrangieren muss. Kurz: schlechtes Essen, dreckige Sanitäreinrichtungen und Barackenschlafräume sorgen nicht unbedingt für eine romantische Campingatmosphäre und schon gar nicht für eine gute Stimmung. Angenehm ist es ebenfalls, dass Piper als Hauptcharakter mit zunehmender Episodenzahl in den Hintergrund rückt und andere Figuren die Chance bekommen, ihre eigene Schicksalsgeschichte mit uns zu teilen.

Am interessantesten ist dabei wohl die Tatsache, dass die Geschichte auf dem Buch einer gewissen Piper Kerman basiert. Einer Frau, die den Mut hatte, ihre eigene Schicksalsgeschichte zu veröffentlichen und damit für diesen Serien-Stoff zu sorgen. Zwei Staffeln von „Orange is the New Black“ sind momentan auf Netflix abrufbar. Mit der Dritten könnt ihr euch ab Juni 2015 vergnügen. Ich freu mich!

Und da es bei mir schon fast kognitiv verknüpft ist, stelle ich euch hier mein absolutes Lieblingsessen zu „Orange is the New Black“ vor: Lasagne Bolognese!

Eure Anne

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