Hörbuch-Exzesse | Selfies und AchtNacht

Es gibt für alles ein erstes Mal und so kam es, dass ich Anfang März gleich zwei Hörbücher vorbestellte, auf die ich mich ganz besonders freute: Selfies von Jussi Adler-Olsen und damit der siebte Fall von Carl Mørck und AchtNacht von Sebastian Fitzek. Es kann eben nicht immer und ständig Harry Potter sein, den ich nun eher auf die Abendstunden und das Einschlafen verlegt habe. Thriller immer und überall lautete mein neues Motto!

Die (traurige?) Wahrheit gleich vorweg: der Anhang meiner Masterarbeit hat mich so in Anspruch genommen, dass sich die insgesamt fast 26 Stunden Hörmaterial anfühlten wie ein Wimpernschlag. Hinzukamen die wohl verdienten Pausen und der leidliche Abwasch, sodass ich beide Geschichten ungewohnt schnell durchgehört hatte. Heute gibt’s endlich mein Feedback und die Antwort auf die Frage, welche Geschichte sich mehr lohnt.

selfies-jussiadlerolsen-hörbuch-medienmädchen-blog

Selfies von Jussi Adler-Olsen

Seit einer gefühlten Ewigkeit wollte ich etwas von Jussi Adler-Olsen lesen oder hören und der neue Titel klang dann so vielversprechend, dass ich gar nicht anders konnte, als Nägel mit Köpfen zu machen. Ich glaube ja rückblickend, dass ich dachte, der ganze Fall spiele sich mehr in der Onlinewelt ab und ein ähnliches Szenario wie in Blinde Vögel von Ursula Poznanski erwartete. Da hatte ich mich ein bisschen verrechnet, denn Selfies werden zwar im Handlungsverlauf wichtig, nehmen aber gar nicht so viel Raum ein.

Ein paar Worte zum Inhalt

Carl Mørck wird zur Aufklärung eines brutalen Todesfalls hinzugezogen, bei dem sich eine Verbindung zu einem mehrere Jahre zurückliegenden Cold Case ergibt. Gleichzeitig wird Carls Kollegin Rose mit ihrer dunklen Vergangenheit konfrontiert. Aber nicht nur bei der Polizei überschlagen sich die Ereignisse, sondern auch im Leben einiger weiterer Protagonisten.

Mein Fazit zu Selfies

Selfies hat mir gut gefallen und wird wohl nicht mein letztes Hörbuch aus der Reihe gewesen sein. Aufgrund der unterschiedlichen Perspektiven dauert es aber eine Weile, eh man die Charaktere zuordnen kann und sich der Hörgenuss so richtig einstellt. Am liebsten mochte ich natürlich die Kapitel um Carl und seinen Kollegen Assad, die ich auf Anhieb sympathisch fand. Die anderen Charaktere, ihre Motive und Gedanken machen es einem nicht gerade leicht, aber die Distanz, die man zu ihnen wahrt, ist wahrscheinlich genauso gewollt. Einmal mehr war ich überrascht, wie Menschen sich durch Schicksalsschläge verändern und welche Abgründe in ihnen schlummern können.

Ein großer Pluspunkt war für mich auch einfach der Handlungsort: Kopenhagen. In diesem Teil lernt man zudem einige Hintergründe zum Sozialsystem in Dänemark kennen. Einige der Frauen, die im Buch Sozialhilfe empfangen, geben offen zu, dass sie nichts können oder einfach nicht arbeiten wollen. Sie werden von einem Charakter, dessen Perspektive ebenfalls verfolgt wird, offen als Sozialschmarotzer beschimpft. Dieser von beiden Seiten beleuchtete Konflikt setzte mir beim Hören etwas zu, denn ich habe gar nicht mit gesellschaftlichen Fragen dieser Art gerechnet.

Besonders interessant fand ich, wie Adler-Olsen die Fälle miteinander verbunden und allgemein konstruiert hat, denn so konnte mich einiges doch überraschen. Die Ereignisse überschlagen sich irgendwann so rasant, dass man einfach weiterhören muss. Die Stimme von Wolfram Koch ist sehr angenehm und hat mir gut gefallen – ich würde also jederzeit wieder etwas von ihm anhören.

AchtNacht von Sebastian Fitzek

AchtNacht war ein solider, actionreicher Thriller, aber gehört nicht zu meinen persönlichen Favoriten des Autors. Viel besser gefallen mir bei ihm, wenn er psychologische Abgründe einfängt und ein Katz-und-Maus-Spiel beschreibt wie in seinem letzten Werk Das Paket. Außerdem war auch ich damals im Kino bei The Purge, von dem er sich hat inspirieren lassen und konnte nicht aufhören, unterschwellig Vergleiche zu ziehen.

Ein paar Worte zum Inhalt

Es ist der 08.08. um 08:08 und eine Todeslotterie hat ihren Kandidaten für die AchtNacht ausgewählt, der ohne rechtliche Konsequenzen gejagt werden darf. Dem Sieger winken Millionen. Wärst du dabei? Und was, wenn du der Gejagte bist?

achtnacht-sebastianfitzek-hörbuch-rezension-medienmädchen-blog

Meine Gedanken zu AchtNacht

Einen großen Pluspunkt bekommt der Handlungsort: Berlin! Denn die Jagd zieht die beiden Protagonisten quer durch die Stadt und das habe ich sehr genossen, weil das natürlich prompt Erinnerungen weckt und man sich alles genau vorstellen kannst. Dass so viele von Fitzeks Büchern in Berlin spielen, finde ich jedes Mal toll!

Bezüglich Idee und Grundkonflikt hatte ich meine Schwierigkeiten, da mir die suggerierte Situation zu unrealistisch erschien. Als Leser oder Hörer muss man sich gewiss erst einmal darauf einlassen, dass eine Internetseite jemanden als vogelfrei bestimmt, der dann eine Nacht lang gejagt wird. Besonders, dass unser Rechtssystem so brach lag, fiel mir schwer nachzuvollziehen. Das ist ein Szenario, dass in einem anderen Land vielleicht besser funktioniert hätte. Die Erklärungsversuche reichten mir hier nicht aus.

Die Charaktere störten mich diesmal leider sehr und waren in diesem Teil so limitiert, dass das Überraschungsmoment fehlschlug und mich der Ausgang der Geschichte gar nicht mehr packen konnte. Die Motive der zentralen Figur in dem Wahnsinn waren stark – denn Ben wollte alles tun, um seine Tochter zu retten – doch das hat auch dazu geführt, dass ich manchmal gerne mit dem Kopf auf die Tischplatte geknallt wäre. Aber: man muss nicht immer jeden Charakter mögen!

Trotz aller Kritik und obwohl ich AchtNacht aufgrund der Vorhersehbarkeit als schwächeren Fitzek bezeichnen würde, war die Geschichte unterhaltend und kurzweilig. Simon Jäger ist ein angenehmer Sprecher und macht auch wieder bei AchtNacht einen tollen Job.

Welcher Thriller lohnt sich mehr?

  • AchtNacht kam bei mir im Vergleich zu anderen Fitzek-Büchern zwar weniger gut an, bietet aber den Vorteil, dass es sich um eine abgeschlossene Geschichte handelt. Die Reihe von Jussi Adler-Olsen folgt hingegen Charakteren, die sich über mehrere Bände hinweg entwickelt haben. Die Gefahr besteht, dass euch Carl Mørck sogleich ans Herz wächst und ihr mehr braucht – sofort (inklusive des langen Wartens auf einen neuen Fall)! Wer also keine Lust hat auf eine Reihe, sollte zu AchtNacht greifen.
  • Wer auf Action und rasante Verfolgungsjagden in Berlin aus ist, dem rate ich zu AchtNacht. Aber: schnell und ereignisreich ergibt nicht gleich spannend. Tendiert ihr eher zu Mord und Totschlag, verzwickten Fällen und zwei coolen Cops, fangt mit Jussi Adler-Olsen und seinem Sonderdezernat Q an. Plus: reist ins schöne Dänemark!
  • Vom Umfang her bietet Selfies mit 17 Stunden mehr Hörgenuss. AchtNacht kommt nur auf etwa 9 Stunden. Beide Sprecher kann ich euch aber definitiv ans Herz legen, denn sie sind großartig!
  • Mich persönlich gefiel Selfies deutlich besser, ich mochte den Stil und die Entwicklung der Handlung. Meine Vorliebe bei Fitzek geht aber auch in Richtung psychologische Abgründe, die mir in AchtNacht zu kurz kamen. Mein Thriller-Mord-und-Totschlag-Herz hüpfte bei Selfies höher – klassisch und spannend!

Ich werde auf jeden Fall weitere Fälle des Sonderdezernats Q anhören und – trotz aller Kritik – auch wieder den nächsten Fitzek, der im Oktober erscheinen wird!

Und wie ist das bei Euch? Habt ihr AchtNacht oder Selfies schon verschlungen?

Merken

Merken

2 Comments

  1. 8. April 2017 / 14:55

    Ich habe Selfies gerade gelesen und AchtNacht liegt noch auf dem SuB.
    Von Adler-Olsen habe ich schon die komplette Reihe um Sonderdezernat Q gelesen und ich mag die Reihe sehr gern. Im Vergleich muss ich sagen, dass Selfie der schwächste Band der Reihe war, aber die Vorgänger waren auch wirklich richtig gut.
    Auf AchtNacht bin ich sehr gespannt. Es wird mein erster Fitzek und ich freue mich schon, endlich auch mal was von dem gefeierten Autor zu lesen. Die Idee klingt schon mal spannend. Und Berlin mag ich auch. 🙂
    Liebe Grüße, Julia

    • 9. April 2017 / 17:11

      Huhu Julia!
      Habe jetzt schon von einigen gehört, dass Selfies im Vergleich zu den anderen schwächer war und bin jetzt definitiv gespannt, mehr von dem Autor zu lesen bzw am Anfang anzufangen. 😀 Die ersten sollen ja richtig richtig krass sein! Freu mich drauf!

      Viel Spaß bei AchtNacht!
      Liebe Grüße
      Laura

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.