Kinoreview: High Society – Gegensätze ziehen sich an

2017 verlief in vielerlei Hinsicht nicht wie geplant – hätte man mir beispielsweise zu Beginn des Jahres erzählt, dass ich eine Kinoflaute von viereinhalb Monaten erleben würde, hätte ich es nicht geglaubt. Aber langsam kommt die Lust zurück und die nächsten Kino-Dates stehen schon in den Startlöchern (nein Freddy, das ist keine Zusage für Es!). Am Wochenende widmete ich mich darum mit meiner besten Freundin dem Popcornkino schlechthin: High Society – Gegensätze ziehen sich an. Stellt sich nur noch die Frage – handelt es sich um einen Meilenstein deutscher Filmgeschichte?

 

Worum geht’s eigentlich?

Berühmt-berüchtigte Kettenbriefe und die Aussicht auf Millionen vernebeln zwei Krankenschwestern in den 90ern so das Hirn, dass sie ausversehen zwei Babys vertauschen. Anabel wächst als wohlhabende Industriellentochter heran und macht Schlagzeilen als Partymaus, während Aura das Ghetto aufmischt und an der Supermarktkasse gern mal einen Porschebesitzer klarmacht. Als der Fehler aus der Geburtsklinik auffliegt, ändert sich das Leben der beiden schlagartig.

Top Popcornkino: schön anzusehen, kurzweilig, aber nicht atemberaubend

Als Hardcore-Fan (Stufe: Besorgniserregend) von Traumfrauen stand für mich von Anfang an fest: High Society muss ich sehen! Und ich wurde nicht enttäuscht – obwohl der Streifen nicht an das Chaos-Trio heranreicht. Auch wenn das Marketing ganz klar eine Verbindung zwischen beiden Filmen herstellen wollte, die auf inhaltlicher Ebene nicht besteht. Bis auf Iris Berben, die klopft sich sowohl in Traumfrauen als auch in High Society anmutig die Creme ins Gesicht! Damit reiht sich High Society für mich eher bei „nett anzusehen“ als bei „muss man sehen“ ein. Der Kinogang ist demzufolge nicht notwendig aber mit der besten Freundin natürlich ein Highlight.

Besonders gefallen hat mir wie auch schon in Traumfrauen die Stadt – Berlin. Pluspunkte. Obwohl es an irgendeinem Punkt schon seltsam ist, die immer gleichen Gesichter im deutschen Film zu sehen, macht Emilia Schüle als Anabel einen super Job. Sie bringt die Rehaugen und die nötige Naivität in die Plattenbausiedlung. Irritierter war ich bei Rubinrot-Bae Jannis Niewöhner, der aber auch wirklich nett als Polizist anzusehen ist, und Iris Berben, die wieder in die Rolle der Filmmutter schlüpft – aber diesmal weit exzentrischer daherkommt.

Alles in allem war der Film wirklich nett anzusehen: Die Musik war gut, die Bilder und der Schnitt cool und die Looks hatten wieder was. Letzteres wird euch aber wahrscheinlich nur in die Hände spielen, wenn ihr so exzessiv wie ich auf Schuhe und Handtaschen achtet. Anabels Outfits waren zumindest wirklich on point.

Storytechnisch – und ich betone hier nicht die obligatorische Vorhersehbarkeit des Ganzen – war High Society leider etwas dünn. Seltsamerweise gab es sogar einige Momente, die stark an Fifty Shades of Grey erinnert haben und ihr wisst ja, wie ich dazu stehe. High Society plätschert vor sich hin, der richtige Höhepunkt fehlt aber leider. Das Happy End ist natürlich rosarot und alle Charaktere sind sich plötzlich grün.

Die Liebesgeschichte war zwar süß, aber ich hätte mir trotzdem etwas mehr erhofft. Ebenso von dem Familiendrama. Und dem Witz, denn normalerweise sind wir da nicht anspruchsvoll. Wow, das klingt, als hätte ich mich gerade selbst gedisst. Ich hoffe, ihr versteht, was ich sagen will: es gab einfach noch Luft nach oben!

Mein Fazit

Alles in allem ein schöner, leichter Film, den man aber nicht unbedingt im Kino gucken muss.

Habt ihr High Society schon angeschaut und wie hat euch der Film gefallen?

2 Comments

  1. 22. September 2017 / 9:53

    Hach… das wäre gar kein Film für mich! Wenn alles zu vorhersehbar ist verliere ich oft das Interesse am Film…
    Wünsche dir ein schönes Wochenende!

  2. 22. September 2017 / 18:11

    Erst mal vorweg: Ich liebe deine Beiträge zu Filmen und freue mich, dass du es wieder einmal ins Kino geschafft hast. <3

    So, nun zu diesem Film. Einen Punkt hast du bereits schon erwähnt: Man sieht immer die selben Gesichter im deutschen Film. Das führt unweigerlich dazu, dass man diesen überdrüssig wird. Wenn einem jemand von allen Ecken aus anlacht, erreicht es irgendwann einfach diesen Punkt, wo man nicht mehr hinsehen möchte. Dies ist auch einer der Gründe, warum ich kein Fan vom deutschen Film bin.

    Ein anderer Punkt ist diese Kopierfreudigkeit. Als ich die Beschreibung für High Society gelesen habe kam mir direkt die Serie "Switch at Birth" von Netflix in den Sinn. Alles, was sich in den Staaten gut verkauft, wird hier in schlecht nachproduziert. So erscheint es mir zumindest immer. Wir haben schon seit ein paar Jahren keinen Fernsehanschluss mehr, aber an der Sache mit den Filmklonen hat sich, soweit ich das mitbekommen habe, nichts geändert. Besonders diese "FilmFilme" oder wie die TV-Adaptionen alle heißen sind oft 1 zu 1 von amerikanischen oder britischen Filmen übernommen. Klar, was dort funktioniert, kann theoretisch hier auch gut laufen. Wenn man aber die ganze Zeit das Original im Kopf hat, wird es einfach nur albern.

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