Kinoreview: Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind

Wenn ich eines als Kind nie so wirklich verstand, dann war es Hagrids Obsession mit allerlei magischer Wesen und seine abgöttische Liebe zu den besonders Gefährlichen. Nachdem ich aber Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind im Kino gesehen und einige Geschöpfe kennengelernt habe, verstehe ich seine Leidenschaft besser – habe sogar nur noch einen einzigen Weihnachtswunsch: einen Niffler! Die Geschichte um den kauzigen Zauberer Newt Scamander weiß magisch zu überzeugen und ist nicht nur den eingefleischten Harry-Potter-Fans zu empfehlen.


Worum geht’s eigentlich?

Der Zauberer und Magie-Zoologe Newt Scamander (Eddie Redmayne) reist nach New York City und hat in seinem Koffer allerhand magische Wesen dabei, von denen ihm einige gleich zu Beginn entwischen. Fortan versucht er sie gemeinsam mit dem Muggel Jacob Kowalski (Dan Fogler) sowie den Schwestern Porpentina (Katherine Waterston) und Queenie Goldstein (A Fine Frenzy) wieder einzufangen. Derweil sieht sich die magische Vereinigung in den USA mit einer unbekannten Macht konfrontiert.

Außerdem in anderen Rollen vertreten: halb Hollywood.

Auf, auf in ein weiteres magisches Abenteuer!

Dass das von Joanne K. Rowling geschaffene Universum einiges her gibt, das war uns allen wahrscheinlich seit dem Ende der Buchreihe klar und so kam es, dass wir 2016 gleich mehrfach von der Autorin beschenkt wurden. Erst ein Theaterstück in London sowie das dazugehörige Skript in Buchform, nun eine fünfteilige Reihe um den Zauberer Newt Scamander, dessen Enkel etwa achtzig Jahre später Luna Lovegood heiraten wird.

Wahrscheinlich hat sich jeder Fan schon einmal die Frage gestellt, wie es anderswo in der Zaubererwelt aussieht oder vor Voldemorts Schreckensherrschaft aussah – denn seien wir ehrlich, so wirklich haben wir Professor Binns alle nicht zugehört. Erzählerisches Potenzial bietet die Zeit, in der die Ideologie des bösartigen Magiers Grindelwald aufkam und dessen Herrschaft in etwa mit dem zweiten Weltkrieg zusammenfällt.

Phantastische Tierwesen entführt ins magische New York des Jahres 1926 und bereits in den ersten Minuten wird klar, dass die Vereinigten Staaten sich in so manchen Zaubereithemen von dem uns bekannten Großbritannien unterscheiden. Das Land ist mit dem Verbot magischer Geschöpfe, der Geheimhaltung der Magie sowie den Einflüssen des Schwarzmagiers Grindelwald schwer beschäftigt.

Der Film verfolgt zwei Handlungsstränge – zum einen sucht Newt seine magischen Kreaturen, zum anderen wird New York von einer unbekannten Macht in Schach gehalten, die Chaos stiftet. Die Stärke neben der detaillierten Zaubererwelt liegt definitiv in den  liebevollen Charakteren, die die Geschichte tragen und klar auf der Seite des Guten verortet sind. Viele witzige Dialoge und Situationen entlocken ein Lachen, gleichzeitig schwelgen Kenner wahrscheinlich in nostalgischen Momenten, wenn sie die bekannte Titelmusik aus Harry Potter hören.

Das Spin-Off wirkt erfrischend anders, ohne das Altbekannte – und Geliebte – gänzlich loszulassen. Die Echtheit des Fantasy-Abenteuers bleibt wohl Joanne K. Rowling zu verdanken, die mit dem Film ihr Drehbuch-Debüt gab und die sich die gesamte Geschichte ausgedacht hat. Niemand sonst kennt ihre Welt so gut, sodass man dem Geschehen nur fasziniert folgen kann. Die Bilder und Animationen sind großartig und zwischen den Schauspielern herrscht eine glaubhafte Chemie.

Lange hab ich überlegt, ob ich Eddie Redmayne nach The Danish Girl je wieder in einer anderen Rolle sehen würde – so beeindruckt war ich und so perfekt kam mir diese Rolle für ihn vor. Aber ihn als Newt auf der Leinwand zu sehen, hat sofort alle Zweifel weggewischt. Er ist ein Scamander, sein Spiel ist fabelhaft!

Phantastische Tierwesen kommt ohne explizites Vorwissen aus und ist an vielen Stellen selbsterklärend, zum Beispiel wenn die nicht-magischen Menschen im Amerikanischen No-Majs heißen und Newt sagt, dass sie in seiner Heimat als Muggle bezeichnet werden.
Potterheads wird die bekannte Symbolik im Film sicherlich erfreuen, die zudem viele Hinweise auf den Fortlauf der Handlung gibt. Sie werden bei Erwähnungen quietschen – und sei es nur ein gut bekannter Familienname oder ein vertrauter Zauberspruch.

Die Geschichte lässt das Publikum mit dem Gefühl zurück, wieder am Anfang einer langen Reise zu stehen – eine, von der wir die Fortsetzung gar nicht erwarten können.

Altersfreigabe: vielleicht doch nichts für die Sechsjährigen!

Für alle, die mit dem Gedanken spielen, den Film mit Kindern anzusehen: die FSK hat ihn ab sechs Jahren freigegeben, doch trotz der vielen Fantasy-Elemente fand ich ihn streckenweise wirklich düster. Sogar zuweilen etwas gruseliger als die Harry-Potter-Filme, die ab dem dritten Teil stets ab 12 Jahren freigegeben wurden. Die Spannung und Gefahr, die Newt begegnen – sei es die Atmosphäre im amerikanischen Zaubereiministerum, die Umsetzung der magischen Todesstrafe oder das Tempo der actionreichen Szenen sind für kleinere, sensible Kinder wahrscheinlich eher schwer zu ertragen.

Zumindest saß ein kleines Mädchen direkt neben uns, dass das Kino schnell wieder verlassen wollte (und das auch lautstark eingefordert hat), doch dann irgendwann in den dialoglastigeren Sequenzen eingeschlafen ist (und geschnarcht hat). Aus diesem Grund würde ich vielleicht mit Kindern unter zehn Jahren eher den ersten und zweiten Harry-Potter-Film anschauen, in dem auch selbst Kinder – Harry, Ron und Hermione – die Hauptrolle übernehmen, obwohl Newt ein sehr liebenswerter, jugendlich wirkender Held ist.

Mein Fazit

Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind ist ein absolut gelungener erster Teil, der in sich geschlossen ist, aber Lust auf mehr macht. Ein Kinobesuch lohnt sich also auf jeden Fall!

Potterheads werden wahrscheinlich vollkommen auf ihre Kosten kommen, weil Newt ein ganz bezaubernder Held ist, der noch einmal in andere Winkel der Zaubererwelt entführt.  Gleichzeitig wissen die Tierwesen und Charaktere im Spin-Off auch solche zu verzaubern, denen die acht Harry-Potter-Teile weniger gefallen haben, denn die Geschichte ist auch ohne detailliertes Vorwissen verständlich und kommt durch ihre Helden erwachsener rüber.

Habt ihr den Film schon gesehen und hat er euch auch so glücklich gemacht? Ich bin noch immer ganz verzaubert!

Eure Laura

8 Comments

  1. 17. November 2016 / 19:03

    Sehr schönes Review! Ich bin genauso begeistert wie du. Als ich gestern aus dem Kino kam, war ich einfach nur glücklich. Der Film ist einfach fantastisch und ich hatte viel Spaß. Aber ich würde auch keine Kinder unter 10 dem Film empfehlen, für sie ist er einfach an manchen Stellen zu gruselig.

  2. 17. November 2016 / 23:14

    Tolles Review!
    Ich habe den Film noch nicht gesehen, aber ich möchte nächste Woche dahin gehen. Ich hoffe, er erfüllt alle Erwartungen. Aber das ist bei mir meistens nicht so schwer. 😀

  3. 18. November 2016 / 14:39

    Ich kann die Euphorie für Eddie Redmayne als Newt Scamander und für den Niffler absolut verstehen. Die Begeisterung von Newt für magische Geschöpfe übertrug sich auch sofort auf mich und so saß ich bei mehreren Szenen mit offenem Mund im Kino. Ich hatte anfangs meine Bedenken, ob Rowlings Harry-Potter-Welt auch ohne Harry Potter auskommt, aber es funktioniert erstaunlich gut. Ich würde mich über einen zweiten Teil sehr freuen.

  4. 20. November 2016 / 14:50

    Oh man ich bin geflasht! Zum einen, von der tollen Review! Wirklich gut geschrieben, und ich bin auch völlig deiner Meinung. Ich war gestern schon das zweite Mal in dem Film 😀 Ja ich bin ein bekennender Potterhead. Und zum zweiten: eine Leipzigerin! <3 Hallo, hier auch! Liebste Grüße aus Leipzig nach Leipzig! <3
    Conny

  5. 21. November 2016 / 0:37

    Ich kann dir in allen Punkten zustimmen! 🙂 Ein toller Film, mit viel frischem Wind und Humor, Nostalgie und vieler Fan-Momente 🙂 Einfach toll!
    Und zur FSK: Als das gewisse dunkle Wesen an der einen Stelle plötzlich angreift, hat unser halbes Kino aufgeschrien – und das war voller Erwachsener. Mir ist da auch für einen Moment ganz schön das Herz in die Hose gesackt und für Kinder halte ich den Film trotz vieler lustiger Stellen auch nicht wirklich geeignet…
    Vorher dachte ich übrigens, dass mir 5 Filme einfach zu viel sind und es den Eindruck macht, als ginge es nur noch ums Geld. Doch jetzt bin ich wieder drin, im Fieber. Und ich hatte im Film sogar die ein oder andere Träne im Auge, weil ich es nicht fassen konnte, wieder einen Film aus der HP-Welt im Kino zu sehen! Und jetzt freue ich mich riesig auf diese 5 Filme und bin total gespannt, was wir zu sehen bekommen 🙂
    Liebste Grüße,
    Nora 🙂

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