Montagsfrage: Das-Ende-zuerst-Leser

Die heutige Montagsfrage ließ mich schmunzeln, erinnerte mich aber auch daran, dass wieder eine Woche verstrichen ist und sich der Weihnachtstrubel mit großen Schritten nähert. Gegenwärtig stecke ich bis zum Hals in einer Mischung aus Arbeit und Hobby fest, denn ich versuche gerade anlässlich des National Novel Writing Month das Schreiben als einen festen und elementaren Bestandteil meines Tages zu integrieren. Da fällt zurzeit schon mal der Sport flach, was mich schrecklich wurmt und dringend geändert werden muss. Verschiedene Uniprojekte stehen natürlich auch in den Startlöchern. Andere werden zum Glück in der kommenden Woche endlich guten Gewissens ins Nimmerwiedersehen-Land entsandt. Obendrein muss Geld verdient werden und ich pflege unverändert das Pendler-Dasein zwischen Leipzig, Halle und Berlin. Meine Liebsten sind in der Heimat, Berlin, Leipzig oder ganz woanders – und ich schiebe liebend gern Termine und Verpflichtungen, um Zeit mit ihnen zu verbringen. Mein Kopf sprudelt fast vor Ideen für Blogbeiträge über, aber mir freie Zeit dafür zu luchsen, geht mehr oder weniger schief. Prioritäten, ja ich weiß. Ich will immer alles und noch mehr und am liebsten perfekt. So viel zu dem kleinen Life-Update und nichts wie rein in die heutige Montagsfrage!

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Ganz ehrlich, gehört jemand nicht dem Club der das-Ende-zuerst-Leser an? Hand aufs Herz, wenn es nicht bereits zwanzig Jahre her und damit verjährt ist, hat doch bestimmt jeder schon mal bis zum Ende durchgeblättert, um den letzten Satz der Geschichte zu lesen? Es gab eine Zeit, da habe ich das regelmäßig getan – damals habe ich mich allerdings auch bei allem spoilern müssen, denn ich konnte mit zu viel Spannung schlecht bis gar nicht umgehen. Irgendwann hat sich diese Angewohnheit verflüchtigt.

Den letzten Satz zu lesen, bringt es ja leider nicht wirklich oder führt einen wie bei Harry Potter auf die falsche Fährte. Denn „All was well“ implizierte damals für mich nicht die zahllosen Tode, die ich durchleben musste und die mich psychisch stark schädigten. Immerhin hatte ich wirklich nur den letzten Satz gelesen und wusste daher nicht, dass neunzehn Jahre ins Land gezogen waren. Nein. Ich dachte wirklich: „all was well“. Und dann starben Hedwig und Moody! Und später mein Bookish Boyfriend F- nein, sorry, es geht einfach nicht. Letzte Sätze zu lesen, kann also manchmal in die emotionale Irre führen.

Ganze Absätze oder letzte Seiten zu lesen, kommt hingegen für mich nicht infrage. Auch wenn es mir zuweilen in den Fingern juckt, ich lasse es nicht mehr zu, dass ich mir selbst der schlimmste Feind bin. In gewisser Weise erlischt für mich mit dem Wissen um das Ende ein Funken, der mich wie ein Glühwürmchen in seinen Bann gezogen hat.

Aber natürlich geht das mal mehr und mal weniger gut. Denn ich wusste, dass Clockwork Princess mich emotional fertig machen würde, immerhin hatte ich schon über Clockwork Prince so einige Tränen vergossen. Auch wenn ich nicht das Ende gelesen habe. Als ich den Schutzumschlag abnahm, fiel mir der Stammbaum ins Auge… und was soll ich sagen? Ich musste einfach einen Blick riskieren! Es glich einem Zwang! Ich bereue nichts. Das war ein Spoiler aus der Kategorie „soft“. Na gut, er war monumental, aber… Ich kann einfach nicht aus meiner Haut. Selbstschutz. Erinnert ihr euch an mein Pendler-Dasein? Genau. Wie würde es also aussehen, wenn ich in der Bahn oder im Fernbus in Tränen ausbrechen und einen emotionalen Breakdown erfahren würde? Das wäre wohl nicht nur für mich unangenehm sondern auch für alle anderen. Manchmal ist es meiner Meinung nach wirklich reiner Selbstschutz. Man kann ja schließlich alles schön reden.

Gehört Ihr zum Club der das-Ende-zuerst-Leser, seid ihr inoffizielles Mitglied oder lehnt ihr es rigoros ab?

Ich wünsche Euch eine schöne Woche

eurelaura

5 Comments

  1. 16. November 2015 / 12:41

    Hallo Laura,
    da hast du natürlich Recht – in den letzten 20 Jahren habe ich eventuell mal ein Ende oder einen letzten Satz vor dem Buch gelesen. Aber ehrlich gesagt kann ich mich nicht einmal mehr daran erinnern, deshalb habe ich die Frage klar mit Nein beantwortet 🙂
    Heute würde ich es auf jeden Fall nicht mehr über mich bringen. Wenn ich nur den allerletzten Satz lese würde ich mich die ganze Zeit fragen, was wohl damit gemeint ist (oft sind es schließlich aus dem Zusammenhang gerissene Sätze, die alleine keinen Sinn geben) und dann wäre ich so neugierig, dass ich einen ganzen End-Abschnitt lesen müsste und letzten Endes hätte ich dann keine Lust mehr auf das Buch.
    So stelle ich es mir zumindest vor 😀
    Liebe Grüße und noch einen schönen Montag,

  2. 16. November 2015 / 16:33

    Liebe Laura,
    ich muss dir direkt folgen – du hast eine so schöne Seite 🙂 Und du hast dir viel Zeit gelassen für die Antwort, das ist toll!
    Ich gehöre dem Club an, definitiv. Wobei ich auch immer nur die letzten ein bis zwei Sätze lese, nie ganze Seiten. Außer es sind – wie du sagst – Bücher, die einen emotional echt fordern. Da kann es auch mal sein, dass ich mehr als ein paar Sätze lese und die letzten Seiten überfliege. Das ist dann meist total beruhigend 😉 Und ich habe dennoch Spaß beim Lesen.
    LG. Anna

    • 21. November 2015 / 22:23

      Hallo Anna,
      vielen Dank für den lieben Kommentar! 🙂 Sehr schön, dass du dem Club angehörst. 😀 Man muss schließlich das tun, was für einen selbst am besten ist – auch beim Lesen! Der Spaß geht bei mir auch nicht verloren, wenn ich nur den letzten Satz lese. 🙂
      Liebe Grüße
      Laura

  3. 16. November 2015 / 18:33

    Davon bin ich gar kein Fan.. ich brauch die Spannung bis zum Schluß. Aber ich weiß auch, daß ich da eher die Ausnahme bin 😉 Liebe Grüsse, Heike

    • 21. November 2015 / 22:21

      Hihi, ja, da ist jeder anders. 🙂 Habe es mittlerweile gut im Griff – bei Thrillern spoilern geht bspw. bei mir auch gar nicht, weil ich dann vollkommen das Interesse verliere! 😀
      Liebe Grüße
      Laura

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