Montagsfrage: Erfahrungen mit Indie-Autoren/Selfpublishern

Beantworten wir die Montagsfrage von Buchfresserchen doch einfach mal am Mittwoch und legen wir die Karten auf den Tisch! Ich bin eine jungfräuliche Leserin im Bereich der Indie-Autoren. Nicht selten wären die Bücher, die man sich für 99 Cent oder mehr auf das Kindle laden kann, besser bei Wattpad aufgehoben. Aber auch Verlage sind heutzutage kein Garant mehr für gute und anspruchsvolle Literatur.

Montagsfrage

Ich finde, in der heutigen Zeit, in der Fanfiktions von Verlagen veröffentlicht werden, sollte man sich hüten, allzu sehr zu differenzieren. Fifty Shades of Grey war ursprünglich eine Fanfiktion zu Bella und Edward aus Twilight, aber hey egal, über SM wollten plötzlich alle lesen und das Ding lief gut, also tauschte man einfach die Namen aus. Seither wird der Markt von erotischer Literatur überschwemmt, deren Autoren trotzdem oft nicht in der Lage sind, die Geschlechtsteile beim Namen zu nennen. Grey – der erste Band noch mal aus seiner Sicht – stürmt schon vor dem Erscheinen im August die Bestsellerliste. Trotz spärlicher VWL Kenntnisse würde ich meinen, das sind Angebot und Nachfrage in ihrer reinsten Form.

Nicht zu vergessen Tessa und Hardin aus After – wie anrüchig – die die Relationship Goals 2.0 präsentieren: On-Off, Streit, hier und da mal ’ne Schelle, Versöhnungssex und das Beste ist die Message des Ganzen: nur sie ist in der Lage, ihn zu beruhigen, durch sie wird er zu einem besseren Menschen und diese Liebe übersteht alles – auch Veilchen. Ursprünglich eine Fanfiktion zu Harry Styles und den anderen Jungs von One Direction. (Das gehört ganz klar zur Kategorie Sinnloses Wissen, das für immer dein Gehirn verkleben und Speicherplatz fressen wird. Unlöschbar, ich habe es probiert.)

Halten wir fest: Verlage veröffentlichen auch mal Trash. Oder wie lassen sich die 80 0815-Arztromane im Schrank meiner 80-Jährigen Oma erklären?

Dennoch erlebe ich es häufig und sehe es auch an meinem eigenen Verhalten, dass ich Selfpublishing suspektiere. Obwohl die Auseinandersetzung mit dem Thema zeigt, dass daran nichts verwerflich, sondern eher beeindruckend ist – der Autor trägt mehr Verantwortung und muss sich selbst um Cover, Lektorat, Layout, Klappentext, Vertrieb… eigentlich so ziemlich alles kümmern. Diese Arbeit ordentlich zu bewältigen, schaffen nur die wenigsten und aus meiner Sicht als PR-Girl fehlt ohnehin immer etwas – vielleicht nicht unbedingt die PR-Maschinerie eines Verlags, aber grundlegende ästhetische Ansprüche und die Rechtschreibprüfung vielleicht.

Ich glaube schon, dass mir durch diese Haltung einige Perlen verborgen bleiben. Eben weil ich nichts lese, was mich optisch nicht anspricht oder wo die Leseprobe schon voller Rechtschreibfehler ist. Meine Vorurteile versuche ich gerade abzubauen. Selfpublishing ist eine Leistung, die ich in Zukunft gerne mehr honorieren möchte, auch wenn es wahrscheinlich wie die Suche nach der Nadel im Heuhaufen wird. Gerade wage ich den Versuch mit Mona Kastens Debüt Schattentraum. Samantha Youngs Into the deep wartet auch noch auf meiner Kindle-App. Ach genau und das Debüt von Laura Kneidl habe ich mir auch schon mal angeschafft. Es wird doch, ich bin sehr gespannt, welche Erfahrungen ich machen werde!

Mir tun übrigens jetzt schon alle jungen Mädels leid, die unter den Nachwirkungen der After-Reihe zu kämpfen haben werden, irgendwann mit Anfang 20 Herzscherben aufsammeln und auf die harte Tour lernen müssen, dass es so nicht läuft. Aber wahrscheinlich werden die Auswirkungen gar nicht so fatal, schließlich rannte auch nicht jede Hausfrau plötzlich mit der Reitgerte zum Stelldichein – hoffe ich.

Eure Laura

PS Habt ihr Literaturempfehlungen aus dem Bereich Selfpublishing? Immer her damit!

4 Comments

  1. 29. Juni 2015 / 21:00

    Was möchtest du in erotischen Geschichten? „Dinge beim Namen nennen“ kann schnell vulgär werden und leider klingen Körperlichkeiten auf deutsch nicht nach Zuckerwatte, sondern nach Stahlwolle. Wo liegt die Grenze? Oder der Puffer?

    • Laura
      1. Juli 2015 / 12:34

      Zumindest ein bisschen Glaubhaftigkeit. So wie Menschen beim real-dirty-talk nicht sagen „Komm in die Wollust meiner heiligen Tiefe“ oder von Venus- oder Liebeshügel anfangen. In Fifty Shades I steht doch meistens „down there“ in den Sex-Szenen – hat die Protagonistin keine Vagina? Klar, in der deutschen Sprache mag es schnell hier und da vulgär klingen, aber an den normalen Bezeichnungen der Geschlechtsteile ist doch nichts verwerflich! Man muss ja nicht mit dem bösen F-Wort oder Sch-Wort um sich werfen. Nichts gegen das Umschreiben – schön und angebracht in den meisten Genres! Aber bei einem Erotikroman wie FS – als SM-Koryphäe gehypt – kann ich darüber nur die Augen verdrehen. Vor allem weil es sich auf der anderen Seite ja nicht einmal durch literarische Raffinesse auszeichnet… Aber die Geschmäcker sind unterschiedlich! 🙂

      Liebste Grüße
      Laura

  2. Vivi
    30. Juli 2015 / 12:23

    Soo… Ich habe nun einige Beiträge auf diesem Blog durchgelesen (Vorallem deine) und kann dir nur zustimmen! Bei Leuten, die Fs oder After hypen kann man eigentlich nur noch den Kopf schütteln. Die Bezeichnungen in beiden Büchern sind teilweise so lächerlich, dass sie dann irgendwie wieder witzig sind 😀 Bei deinen Beiträgen „rekelt sich meine innere Göttin “ und hoffe bald noch mehr von dir zu lesen 🙂

    • Laura
      30. Juli 2015 / 21:47

      Vielen lieben Dank für deine Worte! 🙂 Das freut mich sehr! Immer wieder schön zu lesen, dass auch anderen das Gehype auf den Senkel geht, da liegen wir total auf einer Wellenlänge. :D:)

      Liebste Grüße
      Laura

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