MURPHYS GESETZ UND DER KURZFILM DER KATASTROPHEN TEIL 3

Es sind schon wieder einige Tage ins Land gegangen, seitdem die Medienmädchen und ihre Filmkollegen nach Berlin auszogen, um das filmen zu lernen. Ob wir damit jetzt unsere Drehtaufe erhalten haben, wissen wir selbst nicht so richtig (zumindest hat es – natürlich! – mal geregnet, vielleicht zählt das ja auch). Wir sind mit unseren Aufnahmen erst einmal ganz zufrieden, doch ob wir uns bald wirklich entspannt zurück lehnen und unsere Ferien genießen können, werden wir erst später erfahren.

Ich finde es immer wieder faszinierend, durch eine große Stadt wie Berlin zu fahren und schaue dabei mit leuchtenden Augen aus dem Auto auf die ganzen Hochhäuser und rufe nur „Schau mal hier! Schau mal dort!“. Das könnte natürlich ganz stark daran liegen, dass ich in einer sehr, sehr kleinen Stadt aufgewachsen bin und nun in Halle, einer Kleinstadt mit Universität, wohne. Da kann ein vierspuriger Kreisverkehr durchaus sehr faszinierend sein!

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Wir bezogen unser schmuckes Domizil, das B&B am Potsdamer Platz und machten uns gleich auf zur Straße der 17. Juni, wo wir unsere ersten Aufnahmen machen wollten.

Leider ging der erste Drehtag sehr schleppend voran. Das lag nicht zuletzt an dem grandiosen Glockenspiel (eine gesponserte Kunstinstallation zur irgendeiner Hundertjahrfeier, zum Zwecke der stundenlangen akustischen Penetration Berliner Touristen). Dieses begann sein Gedudel ca. zwei Stunden nach Drehbeginn und hielt auch eine gute Stunde durch. Paradoxer Weise konnte man so weit man wollte in den Tiergarten hineinlaufen, es schien trotz Entfernen immer lauter zu werden.

Es gab kein Entkommen.

Damit verzögerte sich die Parkszene um einige viele Minuten. Als die engelhaften Töne verstummten, stürmten alle auf ihre Position und wir drehten, aus Angst, dass das Glockenspiel uns nur veräppeln wollte, so schnell es ging die beiden Einstellungen.

Weiter ging es wieder auf die Straße des 17. Juni, auf diese ewiglange Verkehrsinsel, von der man in beide Richtungen jeweils einen tollen Blick auf das Brandenburger Tor und die Siegessäule hat. Wenn da niemand steht zumindest. Was in Berlin allerdings recht unwahrscheinlich ist. War uns in diesem Moment aber auch relativ egal, immerhin ist es ja nur realistisch, ein Berlin mit Menschen zu zeigen. Sonst kann man sich gleich im Studio vor den Greenscreen stellen. Was wir allerdings erst bei der Sichtung bemerkten, war dieser Mann, der sich während unseres Drehs, ca. 200 Meter hinter unserem Schauspieler/Co-Regisseur plötzlich auf den Bauch legte und sich auf dem Pflaster wälzte, um ein tolles Pinterest-Foto zu machen. Naja, war halt die einzige gute Aufnahme.

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Nicht ganz allein auf weiter Flur

Nächster Stopp war der Platz vor dem Brandenburger Tor. Plan war es, dass „Der Mann“ (wie wir unseren Protagonisten liebevoll getauft haben) zwischen Passanten hindurch läuft und verzweifelt seinen Text spricht. Da hatten wir aber noch nicht an die Springbrunnenanalgen zur Linken und Rechten des Platzes in unseren Plan einbezogen. Denn diese gehen vielleicht im alltäglichen Stadtlärm unter, aber unserem Mäuschen entgeht nichts. Deswegen hörte es sich über das Mikro an, als würden wir unter den Niagara-Fällen drehen. Kurzerhand verlegten wir unseren Drehort genau unter das Brandenburger-Tor, da sich der Lärmpegel dort in Grenzen hielt. Unser Standort-Wechsel entging auch nicht der zuständigen Security, die sich in Form eines dickbäuchigen Mannes mit typischer Berliner Schnauze nach einigen Minuten im breitbeinigen Gang annäherte. Dieser wollte unsere Drehgenehmigung sehen, die wir – natürlich – nicht hatten. Aber ihm war das ja prinzipiell eh „scheiß egal“ was wir hier machen, er habe da nur „Auflagen von da oben“, „die sehen das halt nicht gerne“, aber er dreht noch `ne kleine Runde und wir sollen weg sein, wenn er wieder da ist.

Das war unsere erste Begegnung mit dem einheimischen Volk. Nachdem der Wind eh immer wieder die Verbindung vom Mikro zum Empfänger störte, zogen wir gleich ganz um und versuchten unser Glück einige Meter hinter dem Adlon.

Dort stoppten wir kurz zwischen, weil sich mittlerweile einige Menschen am berühmten Hoteleingang angesammelt hatten und auf eine Hummer-Limousine glotzen, in der Hoffnung, Jay-Z oder Barack Obama beim Aussteigen erwischen zu können. Auf Nachfrage beim Concierge stand die Limo aber schon  – leer –  eine halbe Stunde vorm Hotel. Immer wieder schön, Zeuge der Macht der Massenbewegung zu werden.

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Immerhin wurde es später sonnig

Unser letzter Anlaufpunkt war der Bundestag. Wir waren alle schon am Ende unserer Nerven und quälten uns noch durch die letzten Einstellungen, bevor wir uns eine super leckere und wohlverdiente Mahlzeit beim Italiener gegönnt haben und danach über den Strich, der sich, wie ich erfahren habe, genau in unserer Straße befand, wieder heim gelaufen sind. Da überraschte es mich dann auch nur wenig, dass vor unserem Hotel zwei Damen vom horizontalen Gewebe patrouillierten.

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Berliner Foodie-Wahn 1: Chicken Fajita als Belohnung für den Kampf gegen den Berliner Lärm

Die Angst vor dem zweiten Drehtag war nach den schleppend zustande kommenden Resultaten des Vortages recht groß. Und da kam die Stunde, in der Murphys Gesetz mal nicht zuschlug. In knackigen drei Stunden drehten wir die restlichen Szenen und waren pünktlich zum Mittag fertig! (Das lag eventuell auch darin begründet, dass die Parkkosten vor dem Paul-Loebe-Haus zwei Euro die viertel Stunde kosteten)

Wir nahmen unser zweites wohlverdientes Mahl in Berliner Gefilden ein. Und zwar auf Lauras Empfehlung hin im „Hans im Glück“, das ich an dieser Stelle nur wärmstens empfehlen kann!

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Berliner Foodie-Wahn 2: Heumilchkäse-Burger im Mehrkornbrötchen mit lecker Pommes bei „Hans im Glück“

Damit ist der Drehteil unseres Filmprojekts geschafft, nun folgt die Postproduktion. Keine Angst, einen Teil meiner kleinen Katastrophen-Reihe bekomme ich sicherlich noch zusammen, denn ich und Technik…Naja.

eureanne

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