Must Watch: Tote Mädchen lügen nicht

Das Buch Tote Mädchen lügen nicht von Jay Asher las ich vor vielen Jahren, als ich selbst zur Schule ging und im Alter der Protagonisten war. Auch wenn ich nicht mehr weiß, wie mir das Buch damals gefiel: die von Netflix produzierte Serie um Hannah Baker und ihre Geschichte kann ich euch wirklich empfehlen!

13 Gründe – 13 Menschen

Schülerin Hannah Baker (Katherine Langford) hat sich umgebracht – und Tonbänder mit ihrer Geschichte und 13 Gründen hinterlassen, die dazu führten. Aus der Perspektive des Schülers Clay Jensen (Dylan Minnette), der mit Hannah zusammenarbeitete, in sie verliebt war und einer dieser Gründe ist, wird die Geschichte in großen Teilen erzählt.

„I hope you’re ready, because I’m about to tell you the story of my life. More specifically, why my life ended. And if you’re listening to these tapes, you’re one of the reasons why.”

Tote Mädchen lügen nicht ist keine Teenie-Serie zum Abschalten, denn dafür wurde sie nicht konzipiert und produziert. Stattdessen soll sie den Blick schärfen für gesellschaftliche Probleme, die in der Schule beginnen. Als Zuschauer wird man zu keinem Zeitpunkt berieselt, sondern sofort mit einer traurigen Wahrheit konfrontiert. Die Geschichte entfaltet sich in 13 Episoden und dreht sich um all das, was Hannah Baker lebend nicht mehr erzählen konnte. Weil niemand inne hielt, um sie anzuhören.

13 Menschen tragen ihre Mitschuld an Hannahs Tod. Jeder, der die Serie gesehen hat, wird mir zustimmen – oder? Hätte Hannah gerettet werden können? Genau diese moralischen Fragen lässt die Serie immer wieder einfließen.

„You can hear rumors. But you can’t know them.“

Empathie fehlt den meisten Protagonisten. Selten sind mir Jugendliche in einer Serie begegnet, die mich so wütend gemacht haben! Es gibt sie immer – diese Fuckboys wie Chuck Bass. Aber in Tote Mädchen lügen nicht wird die Distanz während der Rezeption gewahrt, da man von Beginn an weiß, wohin dieses Taten geführt haben. Sie bedienen dabei weit weniger Klischees, als man gewöhnt ist, denn auch die Mitschuldigen werden mit Problemen, Ängsten und Sorgen illustriert, die sie mehrdimensional und greifbar machen.

On Screen passiert viel: Mobbing, Stalking und Eingriffe in die Privat- und Intimsphäre. Vergewaltigungen. Hannah wird zerstört und ihr werden Vertrauen, Mut und Zuversicht genommen. Damit lernt der Zuschauer die 13 Charaktere nacheinander und an einem Punkt ihres Lebens kennen, an dem sie ihre Rolle in dem dramatischen Ereignis zu vertuschen suchen.

Die beiden Charaktere mit moralischem Kompass in der Geschichte sind Clay und Tony. Bei ihrer Trauerbewältigung begleitet der Zuschauer auch Hannahs Eltern. Diese Szenen gehören zu den intensivsten, was auch an Kate Walshs (bekannt aus Private Practice) großartiger Leistung liegt.

„Everything… affects everything.“

Es ist traurige Realität, dass die High-School-Zeit in den USA für viele Jugendliche kein Zuckerschlecken sondern ein Spießrutenlauf ist. An deutschen Schulen wird ebenfalls nach wie vor gemobbt und Verantwortliche tun sich schwer mit der Thematik, was vom Erkennen der Anzeichen bis hin zum Handlungsbedarf reicht.

Auch wenn Tote Mädchen lügen nicht nah an den Charakteren selbst bleibt, spielt das Internet eine tragende Rolle. Nicht nur in der Schule werden junge Menschen von Gleichaltrigen drangsaliert, sondern auch online. Ich weiß, dass Kindern und Jugendlichen empathisches Verhalten nicht eingespritzt werden kann, aber vielleicht rückt die Produktion das Thema wieder mehr in den Fokus. Die Serie könnte in ihrer Machart und der sensiblen Umsetzung des Grundthemas auch für eine Auseinandersetzung im Schulunterricht geeignet sein.

Tote Mädchen lügen nicht präsentiert aber auch einprägsame, drastische Bilder und Szenen. So werden etwa die Vergewaltigungen oder Hannahs Selbstmord gezeigt, worauf die Produktion vor Beginn der Folgen jedoch ausdrücklich hinweist.

„In the end… everything matters.“

Netflix hat mit Tote Mädchen lügen nicht eine eindringliche Dramaserie abgeliefert, die den Alltag an einer amerikanischen High School ungeschönt einfängt: Drogen, Mobbing und sexueller Missbrauch sind an der Tagesordnung und sie fordern ihren Tribut.

In ihrer Umsetzung wirkt die Produktion ansprechend und fesselnd – ein attraktiver Cast, gute Musik und eine dichte Erzählweise unterstreichen das made in Hollywood. Aber anstatt nur den Unterhaltungsaspekt zu fokussieren, sensibilisiert Tote Mädchen lügen nicht für ein schwieriges Thema und ist damit keine leichte Kost.

Mit ihrer Modernität und Sogwirkung wird die Serie auch Jugendliche ansprechen. Somit kann Tote Mädchen lügen nicht als Ausgangspunkt genommen werden, um die Auseinandersetzung und Diskussion im Schulunterricht zu fördern. Denn um zu begreifen, dass das Thema nach wie vor aktuell ist und vor dem Hintergrund des Cyber-Mobbings eine neue Dimension erhält, muss man einfach nur die Augen öffnen.

Hat Euch die Serie auch emotional zerstört?

Hilfe –

Es geht dir sehr schlecht, du denkst über Selbstmord nach oder kennst jemanden, der Hilfe braucht?
Wenn du nicht weiter weißt, wende dich bitte an die TelefonSeelsorge unter 0800/111 0 111 oder 0800/111 0 222. Wenn dir nicht nach telefonieren ist, kannst du auch eine Mail schreiben oder Chatten.

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15 Comments

  1. 4. April 2017 / 7:47

    Hey!
    Dein Artikel hierzu hat mir gut gefallen, nicht zu viel verraten, aber definitiv neugierig gemacht. Werde mir die erste Folge heute Abend mal anschauen!

    Liebste Grüße,
    Celine von The Printrovert 🙂

    • 5. April 2017 / 20:13

      Vielen lieben Dank! Ich wünsche dir viel Spaß beim Gucken! 🙂
      Liebe Grüße
      Laura

  2. 4. April 2017 / 11:30

    Hallo Laura,

    ich muss Jak gestehen das ich das Buch nie gelesen habe. Ich kannte es eigentlich lange gar nicht. Aber in letzter zeit kommt man nicht drum herum. Doch reizen konnte mich das Buch nie, keine Ahnung warum, denn eigentlich mag ich solche Geschichten.

    Doch ich freue mich das es nun eine Serie gibt, und ich hab sie schon auf meine Liste auf Netflix gepackt. Mal sehen wann ich die anfange, denn erst schau ich mir noch ZOO zu Ende.

    Aber danke für deine Vorstellung, die hat mir sehr gefallen.

    Liebe Grüsse
    Alexandra

    • 5. April 2017 / 20:21

      Dankeschön! Du kannst ja dann mal reinschauen, ob du es magst. Ich kann auf jeden Fall beide Sichtweisen nachvollziehen. 🙂
      Was ist denn ZOO?

      Liebe Grüße
      Laura

      • 6. April 2017 / 16:26

        Hallo Laura,

        das mach ich dann auf alle Fälle.

        ZOO geht um folgendes. Die Tiere haben gelernt zu kommunizieren und sich zu verbünden, also immer innerhalb einer Art. Und sie wehren sich gegen die Menschen. Und eine Gruppe von Ausgewählten soll jetzt heraus finden warum das passiert ist und wie man das aufhalten kann. Sehr spannende Gedanke, wie ich finde. Was wäre wenn die Tiere sich gegen uns stellen weil sie uns als Gefahr erkannt haben?

        Schönen Abend und liebe Grüsse
        Alexandra

        • 6. April 2017 / 21:38

          Oh das klingt wirklich interessant! 🙂 Das muss ich mal auschecken!

          Gute Nacht und liebe Grüße
          Laura

  3. 5. April 2017 / 14:29

    Wow ein toller und emotionaler Beitrag. Ich bin jetzt bei Folge 8 und bin wirklich ergriffen. Zum Glück musste ich nicht wirklich Mobbing in der Schule spüren. Klar gab es Deppen, die dumme Sprüche abgelassen haben. Aber selbst gespürt habe ich es nie – oder habe mir dumme Sprüche nicht so zu Herzen genommen. Aber sowas kann einen Menschen zerstören und bis zum Selbstmord treiben. Was wirklich grausam ist. Bin auf jeden Fall gespannt, wie es weitergeht. Vor vielen Jahren habe ich das Buch gelesen, wusste aber gar nichts mehr davon.

    • 5. April 2017 / 20:40

      Vielen Dank für deine Worte! 🙂 Ja, die Serie hat mich auch wirklich mitgenommen… Es war hart, sich das anzugucken und nicht irgendwie eingreifen zu können.
      Liebe Grüße
      Laura

  4. 5. April 2017 / 18:37

    Ich hab das Buch in den Anfangszeiten meines Blogs auch gelesen und glaube, dass es mir ganz gut gefallen hat. Die Serie würde mich auf jeden Fall interessieren, aber ich habe leider kein Netflix. Echt ein Problem und dein Artikel macht das jetzt nicht besser. 😀

    • 5. April 2017 / 20:43

      Du hast kein Netflix?? Ist vielleicht aber auch gut so, so hast du wenigstens noch eine Chance auf Produktivität. 😀 Ja, ich glaube, mir hat das Buch damals auch gut gefallen, aber bin mir absolut nicht mehr sicher. Vielen Dank für deinen Kommentar, ich freu mich immer, wenn ich neugierig machen kann! 🙂
      Liebe Grüße
      Laura

  5. 6. April 2017 / 7:54

    Moin,

    mir hat das Buch vor Jahren super gut gefallen und als ich die Serie auf Netflix entdeckt habe direkt auf meine Liste gepackt. Deine Beschreibung der Serie klingt sehr vielversprechend und hat meine Vorfreude auf die Serie nur noch gesteigert.

    Liebe Grüße

    • 6. April 2017 / 21:39

      Oh das freut mich! Viel Spaß beim Anschauen! 🙂
      Liebe Grüße
      Laura

  6. Angie
    6. April 2017 / 20:15

    Auch wenn ich unter der Woche wenig Zeit für Netflix habe, da Prüfungen Priorität haben, habe ich gestern aus Neugier reingeschaut. Wie ich das Buch fand, weiss ich auch nicht mehr, aber die Serie ist keine leichte Kost. Am liebsten würde man die Jugendlichen so richtig durchschütteln, wenn man so etwas auf dem Bildschirm sieht. Da wünscht man sich doch Gerechtigkeit.

    Ich bin froh, dass ich während meiner Schulzeit nie gemobbt wurde und ich wüsste auch nicht, wie ich so etwas mit sechzehn, siebzehn weggesteckt hätte. Dafür hat es meine damalige Chefin bei mir versucht. Leider tun es auch die ach so erwachsenen Menschen. Traurig finde ich die Tatsache, dass die meisten anfangen zu mobben, um sich dabei besser zu fühlen und so ihre eigene Unsicherheit zu kaschieren. An die Konsequenzen, was solche Taten auslösen können, wird meistens nicht gedacht.

    Liebe Grüsse
    Angie

    • 6. April 2017 / 21:22

      Huhu Angie, danke für deinen Kommentar!
      Ich stimme dir bei allem zu, es ist wirklich so. Schlimm, dass Mobbing einfach in allen Lebensbereichen auftreten kann… 🙁 Ich würde dir auch definitiv raten, die Serie nicht so durchzusuchten, denn ich habe Tage danach noch an dem Gesehenen zu knabbern! Das war wohl echt viel auf einmal. Aber ich hoffe, dass auch viele, die sich dieser Mittel bedient haben, angewidert von den Figuren sind und darin kein normales Verhalten oder gar etwas Erstrebenswertes drin sehen… sondern dass die Serie in ihrer Machart auch wach rüttelt. Wäre jedenfalls wünschenswert.
      Liebe Grüße
      Laura

  7. 15. April 2017 / 10:07

    Uff. Ich habe das Buch ebenfalls vor einigen Jahren zu Schulzeiten gelesen. Dein Beitrag hat mich wieder total in die Story geholt. Ich war damals schon ziemlich beeindruckt vom Buch und dem schwierigen Inhalt. Aber vor allem von der Art und Weise: 13 Gründe, 13 Kasetten. Gute Story! Von der Serie wusste ich bis eben nichts. Aber deine Kritik und der Trailer machen es wirklich zu einem MUSS. Ich bin sehr gespannt darauf die Serie zu schauen. Ich finde eine Verfilmung immer deutlich realistischer und deswegen sehr gut, dass dieses Buch mit all seinen Jugendgefahren wieder aufgegriffen wird. Es ist schließlich immer aktuell.

    Danke, sehr guter Beitrag!

    Ahoi, Katharina

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