Review: Fifty Shades of Grey 2

Es ist einige Monate her, dass meine beste Freundin und ich in der Küche saßen und spontan beschlossen, uns dem Kulturgut Fifty Shades of Grey auf Amazon Prime hinzugeben. Damals fielen Sätze wie: „Jetzt packt er die Peitsche aus! Das zwiebelt bestimmt ordentlich.“ Ich konnte nicht anders, als mich zu betrinken. Eines führte zum anderen und meine Freundin nahm mir das Versprechen ab, mit ihr Teil 2 anzusehen. Gestern war er dann da – der Tag X.

Zur Story

Studentin Anastasia Steele traf im ersten Teil den Milliardär (nein Ladies, Millionen reichen nicht!) Christian Grey, der eine dunkle Vergangenheit mit sich herumschleppt und sie in die Welt der zügellosen SM-Spielchen einführt. Im wahrsten Sinne, denn er führt allerhand in sie ein.

Auch im zweiten Teil, basierend auf der Bestseller-Trilogie von E. L. James, wirft das Universum dem Liebespaar Steine in den Weg. Kann ihre Liebe den immer abstruseren Problemen trotzen?

Auf einer Skala von 1 bis 10 lag die Vorhersehbarkeit bei 12

Ich will an dieser Stelle nicht lügen: es waren zwei furchtbare Stunden für mich, aber ich habe den ersten Band auch auf Seite 16 abgebrochen. Meine Freundin wisperte irgendwann, ich solle ja erwähnen, wie oft ich im Kino aufgestöhnt und mir den Schal vor die Augen gehalten habe – sehr oft. Nicht, weil der Softporno mich erschütterte, sondern eher wegen dem Fremdschäm-Alarm, der von der Leinwand auf mich herabstrahlte. Ziemlich billig alles.

Die Chemie zwischen den Hauptdarstellern war quasi nicht existent; ich spürte da leider nur wenig (aber Emma und Ryan sind ja auch mein Maßstab). Positiv ist zu vermerken, dass Ana sich in diesem Teil weit weniger exzessiv auf der Lippe herumbeißt, aber das war ja auch kaum noch zu toppen. Creepy Grey kommt diesmal mit 3-Tage-Bart zwar lässiger daher, ist aber noch genauso besitzergreifend und dominant, auch wenn er sich zu zügeln versucht.

Ich habe mich gefragt, was an dieser Attitüde attraktiv sein soll. Dem Ganzen zuzuschauen, verursachte mir schon Bauchweh. Ja, der Typ hat verdammt viel Kohle. Gedankenexperiment! Eine alternative Story: Ana ist die eigentliche Spielerin, nur hinter seinem Geld her, verweigert den Ehevertrag., nimmt ihn aus. Wäre DAS nicht mal witzig gewesen? Da hätte das ganze SM-Zeug doch trotzdem Platz gefunden. Aber nein, es muss ja Liebe sein.

Laaangweilig!

Jetzt mal ehrlich: das Buch ist schon keine gute Grundlage, um daraus einen fesselnden Leinwand-Stoff zu stricken, da kann sich eine Filmcrew noch so sehr anstrengen. Klischees bleiben Klischees und die tummeln sich in der ehemaligen Fanfiction zu Twilight ja haufenweise. Aber Hollywood ist auch viel zu prüde, um den Shit mit einem Paukenschlag zu verfeinern. Jugendschutz-technisch werden in den USA Gewalt und Blut weniger schlimm bewertet als Sex. Die Einstellung merkt man auch: es war gähnend langweilig.

Zwar ist Greys Spielzimmer besser ausgestattet als so mancher Sex-Shop, aber das war es auch schon. Die Sexszenen waren ansonsten wirklich lächerlich, ich hab mir sagen lassen, dass das im Buch mehr abgeht. Man, Hollywood! Nicht falsch verstehen: ich wollte nicht mehr Haut oder sonst was sehen (Pornografie, klar), aber dass fast alles in einer gewissen Stellung endet… Lame! Wer also mit abgefahrenen Orten, Codewörtern, Spielzeug etc. pp. rechnet, wird wahrscheinlich enttäuscht.

Wenn es nicht gerade um den Sex geht, gibt es ja noch Handlung. Könnte man meinen. Diese steht auf wackeligen Füßen und setzt sich aus einer Reihe von dramatischen Einzelmomenten zusammen, die immer abstruser werden. Oh my… Greys tragische Vergangenheit, die sein Verhalten rechtfertigen soll, die Domina, deren Schüler er war, eine Psycho-Ex, ein Vergewaltiger als Chef und als Sahnehäubchen ein Helikopter-Absturz. Kein Witz. Und das alles in welcher Zeitspanne? Drei Wochen? Das wird aufgrund des Wetters in Forks… äh Seattle nicht ganz ersichtlich. Plötzlich wird einem klar: Creepy Grey ist im Vergleich ja fast normal!

Das denkt auch Ana, aber schon, als sie von seiner cracksüchtigen Mutter erfährt, was schließlich ALLES (das Hintern versohlen in Teil 1) entschuldigt … und macht wieder bereitwillig die Beine breit. Außerdem bekommt sie weiße Rosen, das Apple-Starterpack aus neuem Macbook Pro und Iphone (wie es jede Karrierefrau laut Grey braucht) und 24.000 Dollar geschenkt. Desillusionierndes Potenzial: check.

Zu allem Überfluss entscheiden die beiden auch noch zu heiraten. Na dann: Prost Mahlzeit. Ohne Worte der Shit. Aber der Soundtrack war wieder ganz gut.

Mein Fazit

Schwierig. Ich fand es wenig unterhaltend, sehe es aber positiv: ich hatte einen Abend mit meiner Freundin! Sie meinte übrigens, das Buch war besser. Manchmal mussten wir beide echt lachen, weil es so platt war. Also ja: mit der Freundin vielleicht noch zu empfehlen, wenn man Trash mag, zehn Euro übrig hat und nichts erwartet. Ihr solltet aber vielleicht nicht mit eurem Partner gehen, vielleicht trennt er sich danach von euch oder will Schmerzensgeld.

Habt ihr den Film gesehen und wie fandet ihr ihn?

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5 Comments

  1. Lisa
    14. Februar 2017 / 20:31

    Haha Laura, ich musste so lachen. Wirklich gut geschrieben!

    Schöne Grüße aus Vancouver <3

    • 15. Februar 2017 / 6:05

      Du Süßkeks, danke! Genieß die Zeit in Vancouver! :* <3

  2. 15. Februar 2017 / 16:18

    Hallo Laura!
    Deine Film Review ist mal wieder genial. Ich musste so lachen 😀 Dennoch mag ich mir den Film gerne anschauen, da ich die Bücher gar nicht mal so schlecht fand und ich den ersten Film auch gut umgesetzt fand (also mit dem Buch als Vorlage 😉
    Interessant und irgendwie beängstigend finde ich auch, dass die Amerikaner Gewalt als weniger schlimm angesehen werden. Das gibt einem doch echt zu denken …

    Ich habe dich übringens auf meinem Blog zu dem bookish Identity Tag getagget:
    http://zeilen-springerin.blogspot.de/2017/02/tag-bookish-identity_15.html
    Vielleicht hast du ja Lust mitzumachen. Ich würde mich sehr über deine Antworten freuen 🙂

    Liebe Grüße Jessica

    • 15. Februar 2017 / 17:36

      Huhu Jessica, dankeschön und viel Spaß beim Film! 🙂 Liebe Grüße <3

  3. 5. April 2017 / 12:31

    Moin Laura,

    wirklich tolle Rezension mit der du den Nagel auf den Kopf getroffen hast.
    Ich habe zwar das Buch gelesen und den Film gesehen aber aus „gutem“ Grund.
    1. Mir helfen so simple Bücher super meinen Kopf frei zu bekommen, wenn ich viel Stress habe.
    2. Den zweiten Teil habe ich mir ebenfalls mit Freundinnen angesehen und es ist einfach unbeschreiblich komisch, wie sich eine Freundin (die die treibende Kraft ist) vor Scham immer wieder im Sessel versinkt und noch tagelang rot anläuft, wenn man es anspricht. Daher würde ich den Film jedem empfehlen, der auch so eine Freundin hat, die zudem über sich selber lachen kann.

    LG

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