Rezension: Das Buch der Spiegel | E.O. Chirovici

Das Buch der Spiegel gehört zu der Kategorie Bücher, die ich eher zufällig online entdecke und dann nicht mehr vergessen kann. Am Erscheinungstag bin ich also gleich in den Buchladen marschiert, um es mir zu kaufen. Ich war sehr gespannt auf die Geschichte und kann rückblickend festhalten: Es war definitiv anders, als zunächst gedacht.

Ein paar Worte zum Inhalt

In Das Buch der Spiegel dreht sich alles um einen Mord, der nie aufgeklärt wurde, ein Manuskript, dessen Ende verschollen ist und viele rätselhafte Schicksale.

Literaturagent Peter Katz erhält ein Manuskript vom Autor Richard Flynn, in dem dieser den fünfundzwanzig Jahre alten Mordfall am berühmten Professor Joseph Wieder aufgreift – doch bevor Katz die ganze Geschichte lesen kann, endet das Manuskript abrupt. Fortan ist Katz wie besessen und setzt alles daran, die Wahrheit zu erfahren.

Die Wahrheit des einen ist die Lüge des anderen

Das Buch der Spiegel setzt sich aus verschiedenen Teilen zusammen. Damit einhergehend wird die Geschichte von mehreren Charakteren erzählt, die mit dem Manuskript auf unterschiedliche Weise umgehen.

Wirklich begeistert hat mich der Schreibstil von E.O. Chirovici – oder eher seine Art und Weise, einem die Charaktere näher zu bringen, ihr Leben, ihre Eigenarten und Erinnerungen. Auch wie er die Vergangenheit mit der Gegenwart mischte, faszinierte mich. Somit erleichterte Chirovicis Stil definitiv den Zugang zu den Figuren und er machte sie mit nur wenigen Handgriffen lebendig.

Erinnerungen spielen eine große Rolle im Roman – und welchen Bezug der Mensch zu ihnen hat, wie wir unsere über die Jahre verändern und auch adaptieren. Oder selbsterdachte oder von anderen erzählt bekommene Konstrukte für etwas Wahres halten, das wir auch genau so erlebt haben. Habt ihr euch damit schon mal befasst? Ich finde es so unglaublich spannend und bilde mir beispielsweise auch ein, mich noch genau an etwas zu erinnern, was ich mit zwei Jahren erlebt habe – obwohl ich nach der Lektüre in Erwägung ziehe, es nur von meiner Mama mehrmals erzählt bekommen zu haben.

Und ich weiß ehrlich gesagt nicht, ob ich das folgende als Kritikpunkt werte, denn wie schon angedeutet, hatte ich zu Beginn eine ganz andere Erwartung an das Buch. Ich dachte, ich hätte den Thriller meines Lebens in der Hand. Doch viel wichtiger als der Mordfall waren die Beziehungen, die Verwirrungen, das Zusammenspiel von Vergangenheit und Zukunft. Deswegen kann ich dem Roman nicht übel nehmen, mich nicht vollends überrascht zu haben, was den Mordfall an sich anging.

Stattdessen war ich wie Peter Katz gebannt von der Geschichte in der Geschichte und folgte auch den anderen Charakteren gerne auf ihren Wegen, bei denen sie ab und zu zwischenmenschlich spiegelten, was sich 25 Jahre zuvor abgespielt hatte.

Mein Fazit

Der Roman konnte mich fesseln – besonders der psychologische Aspekt und die Bedeutung, die Erinnerungen in der Geschichte einnahmen, sprachen mich an. Wenn ich jetzt, einige Wochen später, an das Buch zurückdenke, weiß ich noch genau, wie schön das Lesen war. Zwar werden nicht alle Rätsel bis ins kleinste Detail gelöst, aber so ist es ja manchmal auch im wahren Leben: die ganze Geschichte erfahren wir nicht immer.

Nur die Aufklärung des Mordfall an sich war für mich als Thriller-Junkie vielleicht etwas zu vorhersehbar – aber das tat dem Lesegenuss keinen Abbruch.

 

Steht Das Buch der Spiegel auf eurer Wunschliste oder habt ihr es gelesen? 🙂

 

Bibliografische Angaben:

Das Buch der Spiegel von E.O. Chirovici | Roman | Goldmann Verlag | 382 Seiten | 20,00 Euro

 

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